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"Hast du auch das frische Hemd angezogen, das ich dir rausgelegt habe? Warum lässt du eigentlich immer die Handtücher auf dem Boden liegen? Iss nicht so viel, sonst wird dir wieder schlecht. Zieh die Schuhe aus, ich habe gerade geputzt. Bring den Abfall raus - der steht schon seit gestern da. Warum ist der Rasen noch nicht gemäht? Hast du an die Kopien für mich gedacht? Du hast ja den Brief gar nicht eingeworfen - nie kann man sich auf dich verlassen! Du bist ein Feigling - sag deinem Chef doch einfach mal die Meinung! Wenn ich arbeiten gehen würde, ich hätte alles viel besser im Griff. Leg deine schmutzigen Unterhosen nicht immer auf den Badezimmerstuhl!"

Endlose Litaneien. Nicht etwa im Rahmen einer 24/7-Beziehung, sondern einer ganz normalen Ehe.

Natürlich geht es auch anders herum - die Frau, die nie einen Pfennig Geld zu sehen bekommt außer dem abgezählten Haushaltsgeld, die nach ihrer eigenen Arbeit noch den Haushalt erledigen muss und den Mann bedienen.

Der alltägliche Sadomasochismus in den Beziehungen.

Keiner würde es so nennen - und doch ist es nichts anderes.

Eine Xanthippe, die Freude daran hat, ihren Partner bei jeder Gelegenheit auch in der Öffentlichkeit zu demütigen, ein Feldwebel, der abends seine Frau herumscheucht, endlose Befehle und Anweisungen.

Und die Strafen. "Ich bin völlig kaputt von der Arbeit," sagt der Mann, wenn er nicht will, und "ich habe Kopfschmerzen" die Frau. Liebesentzug, zwangsweise Enthaltsamkeit.

Nur die entsprechende Zwangsentsamung fehlt ... Das ist dann wieder unanständig.

Und die Peitsche einzusetzen statt der peitschenden Worte, das ist pervers.

Oder die Demütigung mit Einverständnis des Partners als Liebesbeweis.

Ja, sie haben recht, diese Familientyrannen, ob männlich oder weiblich - es ist pervers, etwas mit Zustimmung des Partners zum wechselseitigen Lustgewinn zu tun. Der echte Schmerz kommt doch erst, wenn der Anschnauzer gerade kein Liebesbeweis ist, sondern ein Zeichen der Verachtung.

Sex als Pflichterfüllung, weil es sich nun einmal so gehört, während die Frau in Gedanken den Einkaufszettel für den nächsten Morgen durchgeht und er von Claudia Schiffer träumt - das ist normal.

Sadismus pur ist es trotzdem.

Von beiden, auch von der willig leidenden Masochistin; wenn der Mann mit Wichsen per Möse beschäftigt ist, kann er wenigstens nichts in Unordnung bringen in der gerade frühjahrsgeputzten Wohnung. So denkt sie es sich, und ist damit nicht besser als er.

Wenn beim großen Familientreffen er wieder einmal lauthals ihre schlampige Aussprache korrigiert oder sie ihm die Serviette als Lätzchen um den Hals bindet - dann schaut alles betreten. Versucht zu überspielen. Oder reagiert vielleicht auch gar nicht, weil es so normal ist.

Man stelle sich aber nun einmal vor, ein SM-Paar nehme an eben dieser Familienfeier teil. Großer Auftritt - sie, in ihrem Lederoverall, führt ihn an der Leine. Der Reihe nach werden alle begrüßt; er dabei immer einen Schritt hinter ihr. Danach schreitet sie zu ihrem Platz, knipst die Leine von seinem Halsband ab und klatscht ihm dabei liebevoll auf den Hintern. Sein bereitgestelltes Töpfchen für Kuchen und Wasser landet zu ihren Füssen auf dem Boden, und er lässt sich mit einem versonnen Lächeln daneben nieder.

Während der ebenso langen wie langweiligen Rede des Brautvaters kann er der Versuchung nicht länger widerstehen und berührt vorsichtig die Spitzen ihrer Stiefel. Wohl wissend, was ihm dafür blüht; denn es ist nicht das erste Mal, dass er sich in dieser Form daneben benimmt. Und tatsächlich, prompt zieht sie aus der Tasche die kleine Mitnehmpeitsche, beugt sich herab und versetzt ihm einen Hieb auf die vorwitzigen Finger. Statt sich dafür zu bedanken, jammert er ein wenig, und dafür gibt es gleich noch etwas.

Endlich ist er still, und besieht sich nun sehnsüchtig, was momentan für ihn unerreichbar ist. Aber vielleicht in der Nacht, wenn sie gut gelaunt ist ...

Hilflos muss er mit anhören - sehen kann er es nicht, das Tischtuch ist im Weg -, wie sie mit anderen Männern flirtet. Es ist kaum auszuhalten! Seine Hände ballen sich zur Faust.

Auf einmal setzt sich ein hoher, spitzer Absatz sehr nachdrücklich auf seine Schulterblätter. Und er ist beruhigt. Mögen sie doch alle ihr Lächeln genießen. Er weiß - sie gehört allein ihm. Sie, seine Herrin.

Als sie ihn, viele Stunden später, an der Leine wieder hinausführt, muss er sich mühsam das Grinsen verbeißen.

Na, was für ein Glück, dass solche Szenen gar nicht passieren können. Denn dabei hätte niemand weggesehen. Da hätte es mehr als genügend Mutige gegeben, die sofort eingegriffen hätten.

Wahrscheinlich wären die beiden nicht einmal in den Raum hineingekommen.

Obwohl sie im Overall zehnmal besser aussieht als diese vergrätzte Fregatte in ihrem himmelbleu mit Rüschen und Schleifchen, die gerade ihrem Angetrauten für alle hörbar ins Ohr zischt, das sei jetzt aber genug Schnaps gewesen, und er solle nicht immer diesen jungen Dingern in den Ausschnitt starren ...

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